Direkt zum Hauptbereich

Als Lebensgrundlage ist das Jobcenter untauglich

Heinz Buschkowsky-Kolumne 


Bei mir in Neukölln haben zwei von drei Langzeitarbeitslosen keinen Berufsabschluss.

Junge Leute im wunderbaren Alter bis Mitte zwanzig stehen normalerweise in Saft und Kraft, heiraten und bauen ihr Nest. Bei mir steht über die Hälfte im Hartz-IV-Bezug.

Ein erfolgreicher Berufsabschluss ist das Signal an alle anderen: „Ich habe etwas zu Ende gebracht, kann was, und es gibt ein Metier, das ich beherrsche.“ Dabei fällt nicht so ins Gewicht, ob man den Beruf zeitlebens ausübt.

Jedes vierte Ausbildungsverhältnis wurde 2011 abgebrochen. In Berlin sogar jedes dritte. Insgesamt waren es deutschlandweit 150 000 geplatzte Verträge.

Sicher gibt’s da auch Fälle mit objektiver Begründung. Gesundheitliche Unverträglichkeiten, falsche Vorstellungen vom Beruf, Veränderung in den persönlichen Verhältnissen. Das Leben ist eben manchmal unberechenbar und oft findet sich etwas Neues.

Problematischer wird es dort, wo einfach die Lust und das Durchhaltevermögen unterbelichtet sind.

In Berlin wurden den jungen Leuten ohne Ausbildungsverhältnis im letzten Jahr 2000 freie Stellen angeboten.

Auf dieses Anschreiben zeigten drei Viertel noch nicht mal eine Reaktion.

Der DGB droht der Wirtschaft mit Kontrollen und Sanktionen. Wenig hilfreich. Man meint den Esel und schlägt den Sack.
Das Jobcenter ist als Ausbildungsstätte okay, als Lebensgrundlage allerdings untauglich.

Quelle:

Kommentare

  1. das leben könnte so entspannt sein wenn alle nur ihren job machen würden -
    Politiker schwafeln nicht sondern machen greifbare und vorbildliche Politik,
    Anwälte vertreten engagiert ihre Mandanten und überlassen BILD das Geschwafel,
    etc.

    fG

    AntwortenLöschen
  2. "Problematischer wird es dort, wo einfach die Lust und das Durchhaltevermögen unterbelichtet sind."

    Ouh, ein eigener Wille beim "freien" Bürger, das darf natürlich nicht sein, solange man nicht genug Geld zusammengerafft hat, um als Mensch anerkannt zu werden.
    Grundrechte muß man sich nämlich verdienen.

    "Das Jobcenter ist als Ausbildungsstätte okay, als Lebensgrundlage allerdings untauglich."

    Genau, das JC soll auf Staatskosten das Humankapital zum Nutzen der sogenannten Arbeyt-"geber" ausbilden, nicht jedoch dem Menschen das Überleben garantieren.

    Was ist das bloß für eine Gesellschaft, in der solch eine klassistische Hetze nicht zum Ausschluß von allen öffentlichen Ämtern führt?

    AntwortenLöschen
  3. "Ein erfolgreicher Berufsabschluss ist das Signal an alle anderen: „Ich habe etwas zu Ende gebracht, kann was, und es gibt ein Metier, das ich beherrsche.“ Dabei fällt nicht so ins Gewicht, ob man den Beruf zeitlebens ausübt."

    Vorsicht! Hier will Herr Buschkowsky Jugendliche und junge Erwachsene in die Falle locken! Denn: Ist einmal eine Berufsausbildung komplett und erfolgreich abgeschlossen, kommt man nicht mehr aus der Nummer heraus, d.h., man hat keine Chance auf eine Umschulung in einen anderen Beruf.

    So bleibt man zeitlebens auf dieser Ausbildung in einen ungeliebten Beruf, oder im erlernten Niedrioglohnverdienst kleben.

    So kann ich also nur jeder jungen Frau raten, ihre Ausbildung zur Bächereifachverkäuferin NICHT zu beenden!

    Ein anderes Beispiel ist der halbseidene Beruf des Personaldispositionskaufmanns. Zwar stimmt dort die Bezahlung (des Disponenten), mein Neffe konnte es aber nicht länger mit seinem Gewissen vereinbaren, sich am Wachsen dieser Pseudobranche zu beteiligen und als direkt aktiver Täter Hilfesuchende in nicht existenzsichernde Beschäftigungsverhältnisse zu zwingen.

    Ja, zu zwingen! Denn er wurde dazu angehalten, "störrische" Bewerber beim Jobcenter zu melden. Andere, die den Vertrag mit dem Teufel unglückseligerweise schon unterschrieben hatten, "besuchte" er im Falle einer Krankschreibung und setze sie seelisch massiv unter Druck.

    Also hat mein Neffe seine Ausbildung aus Gewissensgründen abgebrochen und ist wohl nun in den Augen von Herrn Buschkowsky auch ein Drückeberger, der objektiv (denn, was normal ist und was nicht, bestimmt Herr Buschkowsky) keinen Grund zum Abruch gehabt hat.

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die Versicherungspauschale von 30 EUR nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 Alg II-VO kann von einem einzelnen Einkommen einer Bedarfsgemeinschaft nur einmal abgezogen werden.

§ 6 Abs. 1 Nr. 1 Alg II-VO

Landessozialgericht Baden-Württemberg Urteil vom 06.06.2011, - L 1 AS 4393/10 -


Die Versicherungspauschale von 30 EUR nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 Alg II-VO kann von einem einzelnen Einkommen einer Bedarfsgemeinschaft nur einmal abgezogen werden(BSG, Urteil vom 19.10.2010 - B 14 AS 51/09 R-; Rdnr. 4).


Eine erneute Berücksichtigung scheidet auch dann aus, wenn eine sog. gemischte Bedarfsgemeinschaft vorliegt und Einkommen eines nichtbedürftigen Mitglieds einem bedürftigen Mitglied der Bedarfsgemeinschaft zugerechnet wird.

https://sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/esgb/show.php?modul=esgb&id=144213&s0=&s1=&s2=&words=&sensitive=


Anmerkung: 1. Vom Einkommen volljähriger Hilfebedürftiger ist ein Betrag in Höhe von 30 Euro monatlich für die Beiträge zu privaten Versicherungen, die nach Grund und Höhe angemessen sind, gemäß § 11 Abs 2 Nr 3 SGB II als Pauschbetrag abzusetzen (§ 6 Abs 1 Nr 1 Alg II-V ). Diese Pauschale in Höhe von 30 Euro ist ohne jede…

Kann das Jobcenter ein ärztliches Attest verlangen wenn man zum Meldetermin trotz Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht erscheint?

Zum Urteil Bayerische Landessozialgericht 29.03.2012 , - L 7 AS 961/11 -


Nach Ansicht des LSG werden "erschlichene" Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen von Hartzer dafür genutzt um sich den Meldeterminen zu entziehen.

Wir erinnern uns: Das Bundessozialgericht hatte bereits in einer Entscheidung festgehalten, dass Arbeitsunfähigkeit nicht gleichbedeutend ist mit der Unfähigkeit einen Meldetermin wahrzunehmen (BSG, 09.11.2010 - B 4 AS 27/10 R). Die Unfähigkeit einen Meldetermin wahrzunehmen muss der Leistungsbrechtigte nachweisen, was jedoch nicht bedeutet, dass er ein ärztliches Attest vorlegen muss. Der Leistungsberechtigte muss nur Unterlagen vorlegen, die sich in seinem Besitz befinden (§ 60 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 SGB I) zu einer Beschaffung ist er nicht verpflichtet.


Der Leistungsberechtigte muss allerdings auf Anforderung den behanelnden Arzt von der Schweigepflicht entbinden damit das Jobcenter von ihm ein ärztliches Attest auf Kosten des Jobcenters einholen kann. Die Pfl…

ALG-II-Bezieher zu Kontoauskunft verpflichtet

Wer als Hartz-IV-Betroffener mit dem Folgeantrag für Arbeitslosengeld II nicht auch seine Kontoauszüge der letzten drei Monate vorlegt, bekomme kein Geld, beklagt ein Kalbenser. Die Mitarbeiter im Jobcenter könnten doch selbst auf die Konten schauen, täten dies aber angeblich aus Zeitmangel nicht, meint er.


Von Gudrun Oelze
Kann man in SGB-II-Behörden tatsächlich die Konten von Kunden einsehen oder von diesen verlangen, darüber genau informiert zu werden? Lässt sich das mit Bankgeheimnis und Datenschutz vereinbaren?

Doch sagt der Bundesdatenschutzbeauftragte:

Wer Leistungen nach dem SGB II beantragt, ist verpflichtet, das Jobcenter über alle Konten mit aktuellem Kontostand, erteilte Freistellungsaufträge für Kapitalerträge sowie andere Vermögensverhältnisse zu informieren, weil diese Angaben zur Prüfung der Hilfebedürftigkeit benötigt werden.
Im Zweifelsfall Anfrage bei Bundeszentralamt
Bei Zweifeln hinsichtlich Vollständigkeit der Angaben kann die SGB-II-Behörde über ein Ersuchen an das …