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Donnerstag, 31. Januar 2013

Hartz-IV-Murks - Unter Verschluss gehaltene Studie zeigt massive Mängel der Jobcenter - Niemand weiß offenbar, wohin die 1,5 Milliarden Euro für die Unterstützung und Vermittlung von Hartz-IV-Empfängern fließen – Missbrauchsgefahr - Einsparpotienzial in Höhe von bis zu 75 Millionen Euro möglich durch Koordinierungsstelle

Jobcenter unterstützen Langzeitarbeitslose schlecht: Mitarbeiter kennen Ziele nicht, Ämter arbeiten nicht zusammen.


Miete, Ausbildungsplätze, Job-Coaching: Jedes Jahr gibt Berlin rund 1,5 Milliarden Euro für die Unterstützung und Vermittlung der 163.000 Berliner Hartz-IV-Empfänger aus.

Doch wie gut arbeiten die zwölf Jobcenter, die Bezirke und die Senatsverwaltung für Arbeit zusammen?

Die Antwort ist: katastrophal!

Das geht aus einer unter Verschluss gehaltenen Studie der Verwaltung von Arbeitssenatorin Dilek Kolat (45, SPD) hervor, die der B.Z. vorliegt.

Die wichtigsten Ergebnisse:

• Keine gemeinsamen Ziele: Um Arbeitslose in Arbeit zu bringen, werkeln Jobcenter, Bezirksämter und Senat offenbar blind vor sich hin. Eine gemeinsame Strategie fehlt. Ausgerechnet den Jobcentern sei nicht klar, was der Senat arbeitsmarktpolitisch erreichen wolle. „Die gesamtstädtischen Ziele sind besonders in den Jobcentern nicht bekannt.“

• Zu viele verschiedene Anlaufstellen: Es gibt zu viele Ansprechpartner in Behörden, Jobcentern und freien Trägern. Arbeitslose würden nicht mehr durchblicken, wer für was zuständig sei, Anträge für Leistungen seien zu kompliziert. Rüge an die Senatsverwaltung für Arbeit:

 „Die bisherige Steuerung durch die Hauptverwaltung wird schlecht bewertet.“ Außerdem sammeln Jobcenter und Bezirke getrennt voneinander Daten. „Es mangelt an einheitlichen, formalisierten Verfahren.“

• Ämter wollen nicht zusammenarbeiten: Jobcenter, Bezirke und Senat stimmen sich scheinbar kaum ab. „Es gibt keine Kooperationskultur“.

• Intransparente Finanzierung: Niemand weiß offenbar, wohin die 1,5 Milliarden Euro für die Unterstützung und Vermittlung von Hartz-IV-Empfängern fließen – Missbrauchsgefahr! „Es gibt allenfalls in Ansätzen Informationen über die Finanzströme, auf verschiedene Behörden verteilt. Diese sind in der Regel nicht eindeutig und nicht aktuell.“

Insgesamt, so das Urteil der rund 474.000 Euro teuren Studie, könne das Land durch verbesserte Arbeitsabläufe jedes Jahr bis zu 75 Millionen Euro sparen, in dem Angebote und Leistungen zentralisiert sowie eine Koordinierungsstelle eingerichtet werden. 

Die Opposition sieht sich in ihrer Kritik an der Arbeitsmarktförderung bestätigt. Grünen-Expertin Sabine Bangert: „Seit Jahren sind die Probleme bekannt, doch niemand hat das bisher interessiert.“

Senatorin Kolat müsse endlich handeln, so Bangert. „Das Land muss einer Verantwortung nachkommen, Vermittlungshemmnisse von Arbeitssuchende abzubauen.“

SPD-Arbeitsmarktexpertin Birgit Monteiro nimmt Kolat in Schutz. „Es gibt in der Tat Verbesserungsmöglichkeiten, die man sich nun genauer anschauen muss. Aber die Senatorin ist sich der Problematik bewusst und handelt.“

Auf B.Z.-Anfrage heißt es in der Arbeitsverwaltung, die Studien-Ergebnisse würden derzeit zwischen den Senatsverwaltungen geprüft.

Unter anderem solle aber die gesamtstädtische Steuerung in der Arbeitsmarktpolitik verbessert werden. Kolat zur B.Z.:

„Ziel ist es, auf der Basis der Erkenntnisse der Evaluation die Organisation und Steuerung strukturell zu verbessern, um die Leistungsfähigkeit der Jobcenter weiter zu erhöhen.“

Quelle:


Dem kann das Team des Sozialrechtsexperten nichts mehr hinzufügen, es herrschen katatrophale Zustände in den Jobcentern und alles geht zu Lasten von Arbeitslosen.

Wir brauchen Behördenmitarbeiter mit Durchblick und Sachverstand!

Einsparpotienzial in Höhe von bis zu 75 Millionen Euro - ganz ehrlich - Hartz IV und alles darum machen krank.


Kommentare:

  1. "Wir brauchen Behördenmitarbeiter mit Durchblick und Sachverstand!"
    Nein, das allein brauchen wir nicht. Zu kurz gesprungen, es löst das Problem nicht.

    Hartz IV grenzt aus, ist geschaffen worden, um zu disziplinieren. Prof. Dr. phil. Thomas Münch, vormals Geschäftsführer des KALZ (Kölner Arbeitslosen Zentrum), sprach und schrieb von einer Exklusionsmaschine, die nicht nur temporär sondern für immer ausgrenzt.

    Der Ruf des Sozialexperten laboriert an den Symptomen, die Ursachen werden nicht beseitigt.

    Heute in der TAZ die Antwort des Prof. Sell auf den Artikel der Prof. Spindler ebenfalls in der TAZ.

    Prof. Dr. Stefan Sell (http://stefan-sell.blogspot.de/):

    Ein Plan für echte Jobs

    ZWEITER ARBEITSMARKT
    Lebenslang Hartz IV: Das droht Langzeitarbeitslosen, wenn nicht endlich anders gefördert wird. Eine Antwort auf Helga Spindler.

    http://snipurl.com/269ub7k

    Prof. Dr. Helga Spindler (http://www.uni-due.de/edit/spindler/):

    Ein großer Plan für Billigjobs

    ZWEITER ARBEITSMARKT
    SPD und Grüne legen ihre Ideen für Langzeitarbeitslose vor. Aber wichtige Fragen wie Lohnhöhe und Freiwilligkeit sind nicht geregelt.

    http://snipurl.com/269ubim

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  2. was in diesen behördenwirren abläuft,ist oft menschenverachtend!gebe menschen ,machtmittel in die hand:viele mißbrauchen diese!kenne viele verzweifelte h.4empfänger u a welche..die dieses system bewußt mißbrauchen..und diese sind sehr einfallsreich..

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  3. Zitat: "...es herrschen katatrophale Zustände..."

    Und wenn diese Zustände überwunden sind, die Zuständigkeiten geklärt, die Behörden perfekt zusammenarbeiten, die Ziele bestimmt und die Finanzen transparent wie das Wasser einer Bergquelle sind, - dann, ja dann, dann schießen die Stellen wie Pilze aus dem Boden, jeder findet die Arbeit, die er schon immer gesucht hat, mit netten Kollegen, bestbezahlten Überstunden, 50 Tagen Urlaub im Jahr und einer Vergütung, mit der auch eine zehnköpfige Familie auskommt, ohne sich einschränken zu müssen.
    Dann tanzt der Fuchs mit der Gans, das Krokodil hütet die Kinder des Gnus und der Löwe ernährt sich fortan von Salat.
    Die Hühner allerdings lachen schon heute, wenn sie solch einen Unfug lesen.

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  4. Noch etwas: an der oben stehenden Rechung ist irgendetwas faul. 1500000000 Euro geteilt durch 163000 Menschen ergibt 9202,45. Geteilt durch 12 Monate macht das 766,87 Euro pro Kopf und Monat. Das wäre rein rechnerisch für jeden Kopf in etwa das, was ein Alleinstehender im Monat erhält.

    Nicht jeder lebt aber alleine, so daß die genannte Summe noch weitere Ausgaben umfassen muß. Die Verwaltungskosten sollen bei Hartz4 ja, so hört man, sehr hoch sein. Also sind diese in der gennanten Summe nicht enthalten, oder die erwähnte "Unterstützung und Vermittlung" müßte schon sehr mickrig ausfallen, damit man mit den angegebenen 1,5 Mrd. hinkommt. - Oder es wird hier unter "Unterstützung" auch das ALG gefaßt, was wiederum Etikettenschwindel ist, denn es ist ja keine Unterstützung, sondern das notwendige Existenzminimum.

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