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Sonntag, 14. April 2013

Das Märchen vom faulen Hartz-IV-Empfänger - die Wahrheit ist weit davon entfernt

Jeder dritte Deutsche glaubt, dass sich Bezieher von Hartz IV vor der Arbeit drücken.

Doch eine wissenschaftliche Untersuchung kommt zu Ergebnissen, die viele überraschen dürften.

Von Stefan von Borstel

Kommentare:

  1. S. dazu auch: "O-Ton Aktuell: Schweizer Forscher widerlegen Klischee des zufriedenen Arbeitslosen"

    http://www.sozialrechtsexperte.blogspot.de/2013/03/o-ton-aktuell-schweizer-forscher.html

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  2. Erfahrungsgemäß drücken sich genug Alg II Empfänger vor der Arbeit. (Studie hin, Studie her - jeder weiß ja, was man über Studien sagt...) Traurigerweise wirft dies ein wirklich schlechtes Bild auf die, die sich ernsthaft bemühen.

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    1. Es erschüttert mich immer wieder, mit welcher Selbstverständlichkeit lieber die moralische und soziale Integrität dieser "Drückeberger" in Frage gestellt wird, als daß man sich mal damit auseinandersetzt, warum die Mehrheit der Bürger in wirtschaftliche Verhältnisse hineingeboren wird, die sie zur abhängigen Beschäftigung zwingen, und vor allem auch, warum die Mehrheit der Bürger diese Umstände durch tumbes Mitlaufen mitträgt.

      Solange Arbeit und Ertrag systembedingt nicht gleichmäßig geteilt werden können, entbehrt die Forderung, jeder müsse sich "ernsthaft bemühen", jeglicher Rechtfertigung, da sie die im derzeitigen Wirtschaftssystem zweifellos stattfindende Akkumulation von Ertragsmöglichkeiten (und folglich auch des daraus resultierenden Besitzes) ebenso außer Acht läßt, wie die mit einer erhöhten Nachfrage nach Arbeit unweigerlich einhergehende Senkung des Lohnniveaus (= Senkung der Steuereinnahmen = Senkung des Allgemeinwohls).

      Im Grunde stellt die mittels Sanktionsandrohung erpreßte künstliche Erhöhung des Lohndrucks das volkswirtschaftliche Äquivalent zur Spekulationsblase dar - aber pusten Sie ruhig weiter, wird schon alles gut gehen, steht ja schließlich Soziale Marktwirtschaft drauf.

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  3. Erfahrungsgemäß äußern sich genug Schreiber in Weblogs zu Themen, von denen sie offensichtlich wenig bis keine Ahnung haben.
    Sich nicht um Arbeit zu bemühen zieht für einen Alg II Empfänger empfindliche Leistungskürzungen nach sich.
    Traurigerweise hat sich das aber wohl noch nicht auf allen Stammtischen herumgesprochen.

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    1. Natürlich werden Leistungsempfänger sanktioniert, die sich vor der Arbeit drücken. Dass dem nicht so ist, habe ich auch nie behauptet - oder möchten Sie mir diese Behauptung unterstellen?

      Wenn Sie mal in einem Jobcenter gearbeitet haben, wovon ich jetzt einfach mal nicht ausgehe, dann sei Ihnen versichert, dass ein "sich vor einer Arbeit drücken" nicht immer total plump von statten geht, sondern das viele Leistungsempfänger eine extreme Kreativität an den Tag legen können, sodass nicht immer eine Sanktionierung möglich ist; dass sei Ihnen mal gesagt :-).

      An Stammtischen muss ich diese Thematik nicht diskutieren - ich habe selbst einige Jahre in einem Jobcenter gearbeitet und konnte dadurch genug Erfahrungen sammeln. Zu diesen zählt auch, wie ich oben schon schrieb, dass der Ruf der sich redlich bemühenden Leistungsempfänger empfindlich unter den "Drückebergern" leidet. Das merkt man allein schon bei den Mitarbeitern - viele sind so frustriert, dass sie einfach alle Leistungsempfänger über einen Kamm scheren; traurig, aber leider wahr.


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    2. anonym: Das merkt man allein schon bei den Mitarbeitern - viele sind so frustriert, dass sie einfach alle Leistungsempfänger über einen Kamm scheren; traurig, aber leider wahr.
      ich versuche mich kurz zu fassen,
      1. sollten diese MA dann evtl. über einen Berufswechsel nachdenken, ich zumindest hätte das bei diesem (realitätsverzerrenden) Frust nach nur max. 8 Jahren mit Sicherheit getan. (z.K. bin nach über 30 Jahren Sozialarbeit jetzt in Rente)
      2. auch nachzudenken wäre über die Arbeitsbedingungen und -Strukturen statt den Frust nach "unten" abzulassen, d.h. sich z.B. die Frage zu stellen warum die Jobcenter eigentlich nicht einen einzigen originär eigenen MA haben sondern alle, auch die befristeten, entweder bei der BA oder Kommune angestellt und abgeordnet sind.
      Wie es eigentlich angehen kann, dass die Verfassungswidrigkeit der ARGEn durch das Einfügen eines Zusatzartikels ins GG und die Umbenennung in Jobcenter "behoben" wurde?
      Es scheint doch fast, dass die Jobcenter nur auf relativ kurze Zeit geplant sind. Nur wie passt dass mit einer 10-jährigen Ansparzeit für einen Personalausweis zusammen? etc. pp.
      Auch könnten sich MA die Frage stellen warum sie permanent Leistungsberechtigte völlig unbestimmt einladen sollen um dann mit diesen, ebenso unbestimmt, über die berufliche "Zukunft" zu sprechen. Bereits zu Zeiten des BSHG und des AFG gab es Urteile die verlangten, dass der eigentliche Gesprächsinhalt in der Einladung zu bestimmen sei. Hängt damit evtl. zusammen, dass über 700.000 der Sanktionen wegen tatsächlicher oder angeblicher Meldeversäumnisse verhängt worden sind (BA; Alt) und nicht wegen eines "sich um Arbeit zu drücken"?

      Sollten sich MA nicht auch die Frage stellen wie sie die mathematische Unmöglichkeit bewerkstelligen wollen 3 Mill. Erwerbslose auf 500.000 Stellen zu vermitteln? (Bitte nicht "feilschen", denn weiteren, ungemeldeten Stellen stehen entsprechende Zahlen von "unstatistischen" Erwerbslosen gegenüber)

      Wäre es nicht sinnvoll sich auf Basis der eigenen!!! Zufriedenheitsumfrage http://www.jobcenter-ich-bin-gut.de/aktionen/arbeitgeber-umfrage/positives-urteil-%C3%BCber-hartz-iv-empf%C3%A4nger
      zunächst um die zu kümmern die ja offensichtlich gerne auf dem Arbeitsmarkt gesehen werden, entsprechende berufliche Qualifizierungen sorgfältig und passgenau zu fördern statt unablässig mit "persönlichen Vermittlungshemmnissen" auf Menschen einzudreschen, die Vermittlung von "Kernkompetenzen" (frühes Aufstehen etc.) zu favorisieren und Sanktionen bei den "Drückebergern" einzufahren?

      Das war nur ein kurzer Ausschnitt zu den Arbeitsstrukturen an denen die MA der JC so "leiden" ohne sich allerdings im Mindesten um Abhilfe zu bemühen. Und damit meine ich noch nicht einmal die weitgehendst unbekannte Remonstrationspflicht, sondern nur die "Kernkompetenzen" die den "Drückebergern" so gerne in den entsprechenden Massnahmen vermittelt werden sollen.

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  4. Es gibt immer welsche die sich Drücken doch mit diesem System werden nur die unschuldigen bestraft an die anderen kommt man nicht ran! Und wer nicht an Studien glaubt darf auch keine Medikamente einnehmen oder zu angeblich guten ärzten gehen denn dies wird allles durch Studien belegt!!! Ich Danke den Studien den eine ganz bestimmte Studie hat meine Nichte das leben gerettet (Medikamentenstudie)!!! MfG Marle.M

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    1. Sprichwörter wie "Traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast" haben in vielen Fällen leider ihre Berechtigung. Jede Statistik muss deshalb genauestens unter die Lupe genommen werden (z.B. wer die Studie in Auftrag gegeben hat etc.).
      Damit möchte ich nur sagen, dass ein schwarz - weiß Denken absolut fehl am Platz ist :-). Weder sind alle Studien richtig, noch sind alle Studien falsch.
      Wenn eine gewisse Studie Ihrer Nichte das Leben gerettet hat, freut mich das wirklich für sie :-).

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  5. So so, jeder dritte Deutsche denkt das HartzIV Empfänger faul sind. Ich wette, nicht mal jeder 1000ste denkt darüber nach das er die Steuern mit bezahlt die Steuertrickser und somit Reiche nicht zahlen wollen.

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